
Komm:Transform Blog
Learnings für die Umsetzung
20/10/2026
Wie Wohlfahrtsträger Orientierung im Dschungel der Energiewende finden – und warum Dachverbände dabei eine Schlüsselrolle spielen können
Die Diakonie will bis 2035 klimaneutral werden. Das ist ein ambitioniertes Ziel. Für die einzelnen Träger beantwortet es allerdings noch nicht die entscheidende Frage: Wie kommen wir eigentlich dorthin?
Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und andere soziale Einrichtungen haben unterschiedliche Voraussetzungen. Häufig fehlen Zeit, Personal und Fachwissen, um sich intensiv mit Photovoltaik, Heizungsoptimierung, Fördermitteln oder der energetischen Sanierung ihrer Gebäude zu beschäftigen.
Dabei ist die Wohlfahrt ein enormer Hebel für die Energiewende: Die sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege stehen bundesweit für etwa zwei Millionen Beschäftigte und mehr als 100.000 Immobilien. Ihre energetische Transformation ist damit weit mehr als ein Nischenthema – sie kann einen relevanten Beitrag zur Energiewende in Deutschland leisten.
Dabei wäre es zu kurz gegriffen, die Energiewende lediglich als weitere Vorgabe oder Möglichkeit zur Senkung von Energiekosten zu betrachten. Klimaschutz kann unmittelbar an den gesellschaftlichen Auftrag der Wohlfahrt anknüpfen. Kirchliche Träger können damit ihren Anspruch auf die Bewahrung der Schöpfung sichtbar machen und ökologische Investitionen zugleich für ihre soziale Arbeit nutzen.
Eine Photovoltaikanlage auf einer Kita ist dafür ein einfaches Beispiel. Sie produziert klimafreundlichen Strom und kann langfristig Energiekosten reduzieren. Gleichzeitig kann sie Teil des Bildungsauftrags werden: Kinder erleben unmittelbar, wo die Energie für ihr Gebäude herkommt und wie erneuerbare Energien funktionieren.
Die Energiewende kann für Wohlfahrtsträger damit ökonomische, ökologische und soziale Wirkung miteinander verbinden.
Die Herausforderung besteht häufig weniger darin, dass es dafür keine Lösungen gibt. Schwieriger ist es, Orientierung zu schaffen und die richtigen Menschen, das passende Wissen und konkrete Bedarfe zusammenzubringen.
Genau hier setzte der Innovationstag an, den Komm:Transform am 16. Juni 2026 gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) durchgeführt hat.
Mehr als 30 Vertreter*innen diakonischer Träger und zehn Technologiepartner kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und an konkreten Herausforderungen rund um Energie und Gebäude zu arbeiten.
Der Tag verband kurze Praxisimpulse mit thematischen Arbeitstischen, an denen die Träger ihre konkreten Herausforderungen einbringen, Erfahrungen austauschen und mögliche Lösungswege mit Technologiepartnern besprechen konnten.
Im Mittelpunkt standen keine klassischen Startup-Präsentationen. Die Technologiepartner brachten sich als Fachexpert*innen ein und diskutierten mit den Trägern, welche Lösungen unter welchen Bedingungen sinnvoll sein können. Gleichzeitig konnten die Einrichtungen voneinander lernen: Einige hatten bereits Energieprojekte umgesetzt, andere suchten noch nach einem Einstieg.
Das entspricht auch unserer Haltung bei Komm:Transform: Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Technologien, sondern die Menschen, die in ihren Organisationen Veränderung möglich machen. Wir möchten sie dabei unterstützen, ihre nächsten Schritte zu erkennen und innerhalb ihrer Organisation handlungsfähig zu werden.
Die Klimaneutralität bis 2035 ist ein wichtiger Orientierungspunkt. Gleichzeitig erleben wir in Gesprächen, dass ihre Umsetzung angesichts begrenzter finanzieller und personeller Ressourcen für einige Träger noch weit entfernt erscheint.
Gerade deshalb entsteht aus einem ambitionierten Klimaziel aus unserer Sicht auch eine Verantwortung auf Verbandsebene: Wer ein gemeinsames Ziel setzt, sollte die Träger dabei unterstützen, Wege zu seiner Umsetzung zu finden.
Das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat Nachhaltigkeit dafür personell im Verband verankert und entsprechende Unterstützungsstrukturen aufgebaut. Eine solche Funktion ist auf Ebene regionaler Wohlfahrtsverbände keineswegs selbstverständlich. Gerade darin sehen wir aber einen wichtigen Ansatzpunkt: Wissen kann gebündelt, Erfahrungen können zwischen Trägern geteilt und externe Expertise gezielt zugänglich gemacht werden.
Denn nicht jede Kita, jedes Pflegeheim oder Krankenhaus kann selbst Spezialwissen zu Energietechnik, Förderprogrammen und rechtlichen Anforderungen aufbauen. Der Dachverband muss deshalb nicht alle Antworten selbst liefern, kann aber dafür sorgen, dass die Verantwortlichen schneller die richtigen Ansprechpartner und Unterstützungsangebote finden.
Eine weitere Erkenntnis aus dem Innovationstag und den anschließenden Gesprächen ist, dass unterschiedliche Partner unterschiedliche Rollen übernehmen können.
Technologieunternehmen bringen neben konkreten Lösungen häufig auch Fachwissen mit: Sie können technische Möglichkeiten erklären, die Wirtschaftlichkeit einschätzen und bei Finanzierungs- oder Förderfragen unterstützen. Für viele Träger kann ergänzend eine erste, technologieoffene Energieberatung sinnvoll sein: Wo wird besonders viel Energie verbraucht? Welche Maßnahmen haben Priorität? Wo lohnt sich eine vertiefte Prüfung?
Dieser Bedarf wurde im Austausch mit den Trägern beim Innovationstag deutlich. Im Nachgang haben wir deshalb nach bestehenden kostenfreien Beratungsangeboten recherchiert und sind dabei auf die Koordinierungsstelle für Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) in Berlin gestoßen. Nach einem Austausch mit der KEK haben wir das Angebot gezielt an die beteiligten Träger weitergegeben.
Für uns ist genau das eine zentrale Aufgabe von Komm:Transform: nicht jede Leistung selbst anzubieten, sondern die passenden Unterstützungsangebote miteinander zu verbinden.
Im Anschluss an den Innovationstag hat Komm:Transform den Austausch mit mehreren Trägern vertieft.
Mit dem Hubertus-Krankenhaus in Berlin haben wir in einem „Meet the Partner"-Format über die zukünftige Energieversorgung gesprochen. Die Klimamanagerin und die technische Leitung stellten ihre Ziele vor, während zwölf Technologiepartner mögliche Lösungsansätze einbrachten.
Auch mit dem Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V. entstand aus dem Innovationstag ein vertiefter Prozess mit drei Technologiepartnern von Komm:Transform zu Fragen der zukünftigen Energieversorgung des Gebäudekomplexes sowie zu Möglichkeiten für ein verbessertes Energiemanagement und intelligente Heizungssteuerung.
Die Beispiele zeigen: Zwischen dem ersten Interesse und einem umgesetzten Projekt liegen technische Prüfungen, Finanzierung und interne Entscheidungen. Dafür braucht es Menschen innerhalb der Organisationen, die ein Vorhaben weitertragen, und externe Partner, die sie verlässlich unterstützen.
Deutschlandweit stehen Wohlfahrtsträger vor ähnlichen Herausforderungen bei der energetischen Modernisierung ihrer Gebäude. Es wäre wenig effizient, wenn jede Einrichtung die Fragen nach passenden Lösungen, Fördermöglichkeiten und Umsetzungsschritten vollständig für sich beantworten müsste.
Dachverbände können hier als Multiplikatoren und Unterstützer wirken. Sie verfügen über etablierte Beziehungen zu ihren Trägern, können Erfahrungen bündeln und Wissen wesentlich schneller verbreiten. Gleichzeitig können sie Räume schaffen, in denen Träger voneinander lernen und direkten Zugang zu fachlicher Expertise erhalten.
Der Innovationstag mit dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz war für uns deshalb auch ein Test dafür, wie ein solcher Zugang zu Innovation über Verbandsstrukturen funktionieren kann. Unsere Erfahrung ist ermutigend.
Das Format ist dabei keine Blaupause, die sich überall identisch anwenden lässt. Unterschiedliche Träger und Regionen bringen unterschiedliche Voraussetzungen und Bedarfe mit. Übertragbar erscheint uns aber die grundlegende Logik: bei den Bedarfen der Träger beginnen, Orientierung schaffen, Fachwissen zugänglich machen, Menschen miteinander verbinden und dort gezielt weiterarbeiten, wo daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten entstehen.
Nach den Erfahrungen mit dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz möchten wir diesen Ansatz deshalb gerne gemeinsam mit weiteren Partnern erproben und weiterentwickeln – sowohl mit anderen Landesverbänden der Diakonie als auch mit anderen Wohlfahrtsverbänden und größeren Trägerorganisationen.
Denn die Energiewende muss für Wohlfahrtsträger nicht nur eine weitere Anforderung sein. Gut gestaltet kann sie dazu beitragen, ökologische Verantwortung, wirtschaftliches Handeln und den sozialen Auftrag der Wohlfahrt enger miteinander zu verbinden.