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Wie kommen Clean-Tech-Lösungen in die Praxis? Drei Transformationspfade für die Energiewende

Perspektiven & Skalierung

20/10/2026

Innovative Technologien für die Energiewende gibt es viele. Schwieriger ist häufig die Frage, wie sie ihren Wegin Kommunen, kommunale Unternehmen und andere lokale Organisationen finden. Nach gut einem Jahr Komm:Transform zeigt sich: Den einenrichtigen Zugang gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr, welche Menschen vor Ort Transformation vorantreiben, welche Rolle sie innerhalb ihrer Organisationeinnehmen und ob sie andere Akteure mobilisieren können. Drei unterschiedliche Transformationspfade haben sich dabei herauskristallisiert.

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Wie können Clean-Tech-Lösungen schneller in der kommunalen Energiewende eingesetzt werden? Mit dieser Frage beschäftigen wir uns bei Komm seit dem Start des Programms im Juni 2025. Dabei erleben wir immer wieder ein scheinbares Paradox: Auf der einen Seite gibt es zahlreiche Clean-Tech-Unternehmen mit Lösungen für Heizungsoptimierung, Gebäude- und Energiemanagement, Photovoltaik, Klimaanpassung, Wärmeplanung oder klimafreundliche Mobilität. Auf der anderen Seite stehen kommunale Akteure vor genau diesen Herausforderungen, verfügen aber häufig weder über die Zeit noch über den Marktüberblick oder die internen Prozesse, um passende Lösungen zu identifizieren und einzusetzen.

Die Herausforderung besteht deshalb nicht allein darin, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Entscheidend ist, einen funktionierenden Zugang in die jeweiligen Organisationen zu finden und dort Menschen zu identifizieren, die Innovation aufnehmen, übersetzen und weitertragen können.

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Unser Arbeitsansatz: Das Konzept der „Transformationsprojekte“

Genau dafür haben wir bei Komm sogenannte Transformationsprojekte entwickelt. Dabei arbeiten wir über einen längeren Zeitraum mit einem Partner zusammen, der den jeweiligen Kontext gut kennt – zum Beispiel einer Kommune, einem Klimaschutzmanagement oder einem regionalen Netzwerk. Gemeinsam identifizieren wir konkrete Bedarfe, bringen relevante Akteure zusammen und prüfen, welche innovativen Lösungen dazu passen.

Ziel dabei ist nicht nur, einzelne Pilotprojekte anzustoßen. Wir wollen zugleich verstehen, welche Wege der Zusammenarbeit vor Ort funktionieren und was es braucht, damit daraus weitere Kooperationen entstehen können.

In unseren bisherigen Transformationsprojekten haben wir drei unterschiedliche Wege erprobt: die Zusammenarbeit mit einem Bürgermeister in einer kleineren Kommune, mit einem Klimaschutzmanager innerhalb einer größeren Stadtverwaltung und mit einem Nachhaltigkeitsverantwortlichen eines Wohlfahrtsverbandes, der Zugang zu einem breiten Netzwerk von Trägern der Wohlfahrt bietet.

Alle drei Wege können funktionieren. Aber sie funktionieren unterschiedlich. Und vor allem hängt ihr Erfolg nicht allein von der jeweiligen Funktion ab. Nicht jeder Bürgermeister treibt die Energiewende mit gleicher Energie voran. Nicht jeder Klimaschutzmanager verfügt über dasselbe Netzwerk oder Standing innerhalb der Verwaltung. Und nicht jedes Netzwerk kann seine Mitglieder gleichermaßen aktivieren.

Hinter jedem Transformationspfad stehen Menschen. Ihre Motivation, ihre Kontakte, ihr Mandat und ihre Fähigkeit, andere mitzunehmen, entscheiden wesentlich darüber, ob aus einem ersten Austausch tatsächliche Veränderung entsteht.

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Transformationspfad 1: Der Bürgermeister als Türöffner und Orchestrator

In kleineren Kommunen laufen viele Fäden unmittelbar beim Bürgermeister oder bei der Bürgermeisterin zusammen. Das kann ein großer Vorteil sein: Politische Führung, Verwaltung, kommunale Liegenschaften, lokale Unternehmen, Bürgerenergie und Zivilgesellschaft sind häufig enger miteinander verbunden als in größeren Städten.

Unser Transformationsprojekt in Tutzing zeigt das gut. Gemeinsam mit Bürgermeister Ludwig Horn wurde mit „Neue Energie für Tutzing“ ein gemeinsamer Rahmen geschaffen, um unterschiedliche Kräfte in der Gemeinde zu bündeln und konkrete Schritte auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune zu entwickeln. Die Kampagne ist eine gemeinsame Initiative der Gemeinde Tutzing mit MiTeinander und Komm und verbindet bestehende und neue Akteure, die die lokale Energiewende gemeinsam voranbringen wollen.

Eine regionale und eine lokale Energiegenossenschaft, Gewerbe, zwei Klimaagenturen, Bürger*innen sowie Technologiepartner von Komm werden dabei nicht isoliert angesprochen, sondern in einen gemeinsamen, lokal gesteuerten Prozess eingebunden, in dem Bedarfe vor Ort geklärt, Akteure vernetzt und nächste Schritte beschlossen werden.

Die besondere Stärke dieses Transformationspfades liegt in der politischen Legitimation und der Möglichkeit, unterschiedliche Akteure an einen Tisch zu bringen. Ein engagierter Bürgermeister kann Themen sichtbar machen, Menschen in der Gemeinde mobilisieren und Türen innerhalb der Verwaltung öffnen.

Dabei ist das persönliche Engagement entscheidend. Ein Bürgermeistertitel allein reicht nicht aus, um Veränderungen voranzubringen. Besonders wirkungsvoll wird die Rolle dann, wenn jemand die Energiewende als eigenes Thema versteht, bereit ist, für Aufmerksamkeit zu sorgen und Verbindungen zwischen Verwaltung, Akteuren in der Gemeinde und neuen Lösungsanbietern fördert.

Gleichzeitig reicht politische Unterstützung allein nicht aus. Bürgermeister*innen haben nicht die Zeit und oft auch nicht die technische Expertise, einzelne Technologien selbst zu prüfen und Projekte operativ umzusetzen. In Tutzing hat sich gezeigt, dass konkrete Bedarfe wie die energetische Sanierung einer kommunalen Turnhalle oder die Prüfung einer effizienteren Beleuchtung in allen kommunalen Liegenschaften einen besseren Ausgangspunkt bieten als eine allgemeine Präsentation verfügbarer Technologien. Sobald ein konkretes Gebäude, eine anstehende Investition oder ein lokaler Bedarf im Mittelpunkt stehen, können passende Lösungsanbieter gezielt hinzugezogen werden.

Unser bisheriges Learning: Bürgermeister*innen sind besonders dort starke Transformationspartner, wo es darum geht, einen lokalen Prozess zu legitimieren, einem Thema politische Rückendeckung zu geben und unterschiedliche Akteure zu mobilisieren. Für die Umsetzung müssen konkrete Projekte und Menschen hinzukommen, die fachlich und operativ Verantwortung übernehmen.

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Transformationspfad 2: Der Klimaschutzmanager als Übersetzer innerhalb der Verwaltung

In größeren Kommunen verteilen sich Zuständigkeiten und Entscheidungswege meist auf mehrere Ebenen und Akteure – etwa Fachbereiche, Eigenbetriebe, Gebäudemanagement, Stadtwerke oder Ortsbeiräte. Wer hier neue Lösungen in die Anwendung bringen will, muss deshalb zunächst die richtigen Stellen zusammenbringen. Gerade deshalb kann die koordinierende Rolle von Klimaschutzmanager*innen wertvoll sein.

In Cottbus arbeiten wir eng mit dem Klimaschutzmanagement der Stadt zusammen. Ausgangspunkt sind die konkreten Herausforderungen und Handlungsbedarfe der Stadt. Gemeinsam prüfen wir, welche innovativen Lösungen dabei unterstützen können, und bringen die zuständigen Fachbereiche mit passenden Technologiepartnern ins Gespräch.

Daraus entstanden konkrete Gespräche unter anderem mit dem Energiemanagement der Stadt Cottbus und einzelnen Ortsteilen. Auf die ersten Vorstellungsrunden folgten vertiefende Gespräche mit ausgewählten Technologieunternehmen und die gemeinsame Prüfung konkreter Anwendungsfälle, etwa zur digitalen Heizungsoptimierung oder energieeffizienten Beleuchtung. Durch die Vernetzung mit dem Klimaschutzmanager wurden wir zudem in regionale Formate wie die Decarbon Days, den Brandenburger Energietag und die Zukunftsallianz eingebunden.

Hier zeigt sich eine Stärke des Klimaschutzmanagers: Seine wichtige Funktion liegt darin, zwischen kommunalen Bedarfen, Verwaltungsstrukturen und externen Lösungsanbietern zu übersetzen. Er kennt Klimaziele und laufende Prozesse, kann relevante Fachbereiche identifizieren und einschätzen, wer für einen nächsten Schritt eingebunden werden muss. Dabei geht es nicht nur um einzelne Pilotprojekte: Wenn sich eine Lösung in der Praxis bewährt, kann er dazu beitragen, sie auch in weiteren Gebäuden oder Bereichen der Kommune einzusetzen.

In Cottbus zeigt sich das besonders deutlich: Aus einem ersten Ansprechpartner ist ein Fürsprecher für Komm geworden, der uns Zugänge zu weiteren Akteuren in der Lausitz und zu Netzwerken von Klimaschutzmanager*innen eröffnet.

Unser bisheriges Learning: Klimaschutzmanager*innen sind besonders wirkungsvolle Partner, wenn sie über gute interne und externe Kontakte verfügen, Vertrauen innerhalb der Verwaltung genießen und das Mandat haben, unterschiedliche Stellen miteinander zu verbinden. Der zentrale Erfolgsfaktor ist dabei weniger ein einzelnes Matchmaking-Event als der langfristige Aufbau einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

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Transformationspfad 3: Netzwerke als Multiplikatoren

Ein dritter Weg führt über bestehende Netzwerke, über die viele kommunale Akteure gleichzeitig erreicht werden können.

Mit dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) haben wir erstmals intensiver erprobt, wie ein Zugang über Netzwerke wirken kann. Die Ausgangslage ist dabei eine andere: Als Dachverband einer großen Wohlfahrtsorganisation entscheidet das Diakonische Werk nicht selbst darüber, ob ein Krankenhaus, eine Pflegeeinrichtung oder eine Kita eine Heizungssteuerung, PV-Anlage oder Energiemanagementlösung einführt. Diese Entscheidungen liegen bei den einzelnen Wohlfahrtsträgern. Dafür bringt der Verband etwas anderes mit: Mandat, Vertrauen und Zugang zu einer Vielzahl potenzieller Anwender.

Beim gemeinsamen Innovationstag mit dem Dachverband im Juni 2026 haben wir mehr als 30 Träger mit zehn Clean-Tech-Unternehmen zusammengebracht. Über das Netzwerk konnten wir Organisationen erreichen, die vor ähnlichen Fragen rund um das Thema Energie und Gebäude stehen, und ihnen unterschiedliche Lösungsansätze vorstellen.

Anschließend konnte die Zusammenarbeit mit einzelnen Trägern vertieft werden, etwa durch ein Meet-the-Partner-Format mit einem Krankenhaus oder durch konkrete Gespräche zu ihren Gebäuden und ihrer Energieversorgung.

Ein übergeordnetes Ziel, wie die Klimaneutralität der Diakonie bis 2035, hilft dabei erheblich. Es schafft einen gemeinsamen Handlungsrahmen und erhöht die Dringlichkeit, sich mit Energie, Gebäuden und neuen Technologien auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig hat auch dieser Transformationspfad eine besondere Herausforderung: Der Weg von der Netzwerkebene zur konkreten Investitionsentscheidung ist länger. Ein erfolgreiches Format mit einem Verband führt nicht automatisch zu konkreten Pilotprojekten bei seinen Mitgliedern. Jeder Träger hat unterschiedliche Gebäude, Budgets, Entscheidungsprozesse und technische Voraussetzungen.

Das Netzwerk kann deshalb vor allem Aufmerksamkeit für ein Thema schaffen, Orientierung geben und Vertrauen herstellen. Danach muss der Prozess mit den einzelnen Trägern und deren technischen oder kaufmännischen Entscheidungsträgern weitergeführt werden.

Der Weg von der Netzwerkebene zur konkreten Investitionsentscheidung ist zwar länger, aber genau darin liegt zugleich das Skalierungspotenzial: Ein einmal aufgebautes Format kann über bestehende Verbandsstrukturen viele Organisationen erreichen. Anschließend kann die Zusammenarbeit mit denjenigen vertieft werden, bei denen ein konkreter Bedarf und echtes Interesse bestehen.

Unser bisheriges Learning: Netzwerke können starke Multiplikatoren sein, wenn viele ihrer Mitglieder vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Entscheidend ist, dass jemand innerhalb des Netzwerks das Thema aktiv trägt, die richtigen Mitglieder anspricht und Vertrauen genießt. Die konkrete Umsetzung findet anschließend in den einzelnen Organisationen statt – mit den Menschen, die dort Entscheidungen treffen und Projekte voranbringen.

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Ausblick

Die drei Beispiele zeigen: Es gibt nicht den einen idealen Zugang, um Clean-Tech-Lösungen in die Praxis zu bringen. In Tutzing spielt politische Mobilisierung eine zentrale Rolle, in Cottbus die Vernetzung innerhalb der Verwaltung und bei der Diakonie der Zugang über ein bestehendes Netzwerk.

So unterschiedlich diese Wege sind, stoßen wir dabei immer wieder auf ähnliche Fragen: Welche Menschen bringen Veränderung tatsächlich voran? Wie wichtig sind konkrete Bedarfe und persönliches Vertrauen? Und was bedeutet Skalierung, wenn jede Organisation andere Voraussetzungen mitbringt?

Fünf Learnings, die sich daraus für unsere Arbeit bei Komm ergeben haben, beschreiben wir in Teil 2.

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