
Komm:Transform Blog
Learnings für die Umsetzung
20/10/2026
Gute Lösungen für die Energiewende gibt es viele. Die Herausforderung ist, sie dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden – in Kommunen und Stadtwerke sowie zu lokalen Haushalten und Unternehmen. Komm:Transform verbindet die Akteure und schafft Räume, in denen innovative Lösungen wirtschaftlich umgesetzt werden können.
Die Idee für Komm:Transform entstand aus der gemeinsamen Arbeit in der bayerischen Kommune Tutzing am Starnberger See. Ausgangspunkt war die Hypothese, dass die kommunale Ebene ein besonders wirksamer Hebel für die Energiewende sein kann: Hier kommen politische Entscheidungsträger, lokale Unternehmen, Energieakteure und engagierte Bürger*innen unmittelbar zusammen.
In Tutzing wurden genau diese Akteure zusammengebracht – vom Bürgermeister und Gemeinderäten über Energiegenossenschaft und Klimainitiative bis hin zu lokalen Unternehmen und regionaler Wirtschaftsförderung. Die Erfahrung: Wenn Menschen ihre unterschiedlichen Fähigkeiten verbinden und einen gemeinsamen Weg entwickeln, können konkrete Fortschritte entstehen.
„Unsere Hypothese war: Auf kommunaler Ebene wird Wandel gemeinschaftlich und eigenverantwortlich steuer- und erlebbar.“
Aus dieser Erfahrung entstand Komm:Transform: Das Programm bringt Cleantech-Unternehmen mit Kommunen, Stadtwerken und weiteren lokalen Akteuren zusammen, die ihre Lösungen vor Ort anwenden können. Dabei geht es um mehr als einzelne Kontakte: Wir begleiten den Prozess, aus dem eine Zusammenarbeit entstehen kann.
Deutschland verfügt über ein starkes Cleantech- und Innovationsökosystem. Die Herausforderung liegt darin, innovative Unternehmen beim Wachstum zu unterstützen und ihre Lösungen in die Anwendung zu bringen. Gleichzeitig müssen Kommunen und Stadtwerke ihre Energieversorgung umbauen und Gebäude energetisch sanieren. Auch Wohlfahrtsverbände und die Wohnungswirtschaft sind hier wichtige Akteure: Sie betreiben zahlreiche Gebäude, in denen Energie eingespart und die Wärmeversorgung verbessert werden kann.
Trotzdem finden beide Seiten nicht leicht zusammen. Junge Unternehmen arbeiten schnell und agil, kommunale Organisationen dagegen in komplexen Entscheidungsstrukturen und längeren Zeiträumen. Auch die Sprache unterscheidet sich: Lösungen werden häufig sehr technisch erklärt, während in einer Kommune verschiedene Fachbereiche und Entscheidungsebenen verstehen müssen, welchen konkreten Nutzen sie bringen.
Genau hier hat sich die Rolle von Komm:Transform entwickelt:
„Wir können vernetzen, übersetzen und vermitteln.“
Vermitteln bedeutet dabei mehr als Matchmaking. Es geht zunächst darum, die „Black Box“ der jeweils anderen Seite zu öffnen: Wie funktionieren kommunale Entscheidungsprozesse? Welche Anforderungen muss eine neue Lösung erfüllen? Und was braucht ein Unternehmen, um sie gemeinsam mit lokalen Partnern in die Anwendung zu bringen?
Ein wichtiges Ziel ist, Vertrauen nicht nur zwischen Einzelpersonen aufzubauen, sondern die Voraussetzungen für verlässliche Zusammenarbeit zu schaffen. Komm:Transform hilft beiden Seiten, Anforderungen und Möglichkeiten besser zu verstehen und passende nächste Schritte zu entwickeln.
Dafür bietet Komm:Transform Trainings für Cleantech-Unternehmen, gezielte Kennenlernformate und Innovationstage an und begleitet konkrete Anwendungsfälle. So können kommunale Akteure passende Lösungen kennenlernen und gemeinsam mit den Unternehmen mögliche nächste Schritte prüfen.
Ein Beispiel ist Cottbus. Dort hat Komm:Transform in mehreren Speed-Dating-Runden ausgewählte Cleantech-Unternehmen mit dem Klimaschutzmanagement der Stadt zusammengebracht. Aus diesen Erstgesprächen entstanden vertiefende Gespräche mit Fachbereichen und konkrete Anwendungsfälle. So wird mit unserem Technologiepartner othermo inzwischen eine Pilotierung der digitalen Heizungsoptimierung in einer Schule geprüft.
Komm:Transform stößt Kooperationen an und begleitet sie, bis die Beteiligten eigenständig weiterarbeiten können. Zugleich dokumentieren wir, was gelingt, welche Hürden auftreten und wie sie überwunden werden. Diese Erfahrungen geben wir an andere Kommunen und Unternehmen weiter und helfen so, Vorbehalte abzubauen.
„Wir wollen einen Samen setzen, mit dem Offenheit für die Zusammenarbeit zwischen kommunalen Partnern und Cleantech-Unternehmen wächst.“
Im zweiten Projektjahr hat sich unser Blick erweitert: Heute schauen wir nicht nur auf die Cleantech-Unternehmen und ihre Lösungen, sondern genauso intensiv auf die Skalierungspartner – also Kommunen, Stadtwerke, Wohlfahrtsverbände und andere Institutionen, die diese Lösungen in die Anwendung bringen können.
Ein zentrales Learning aus Tutzing: Eine gute Idee allein bringt noch keine Kooperation in Gang. Entscheidend ist, jemanden vor Ort zu finden, der das Vorhaben zu seinem eigenen macht und aktiv vorantreibt – gerade weil die Menschen, die etwas bewegen können, meist bereits viele andere Aufgaben haben.
„Kooperation funktioniert nur, wenn jemand sagt: Das ist meine Idee, das will ich.“
Persönliche Beziehungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Vertrauen entsteht durch wiederholten Kontakt, Empfehlungen und gemeinsame positive Erfahrungen. Wer ein Vorhaben vor Ort weitertragen kann, ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich: Manchmal öffnet ein*e Klimaschutzmanager*in Türen, manchmal ein*e Bürgermeister*in, ein Stadtwerk oder ein Verband.
Ein weiteres Learning ist die unterschiedliche Geschwindigkeit. Komm:Transform wird über zwei Jahre gefördert und arbeitet damit innerhalb eines festen Zeitrahmens. Kommunale Entscheidungen benötigen häufig deutlich länger. Deshalb ist es wichtig, früh die richtigen Personen einzubeziehen und Kooperationen so anzustoßen, dass sie nach der Projektlaufzeit weitergehen können.
Komm:Transform sollte von Anfang an mehr sein als ein zeitlich begrenztes Netzwerk. Das Programm sollte herausfinden, wie Cleantech-Lösungen in Kommunen und anderen lokalen Organisationen in die breite Anwendung kommen können – und was es braucht, damit ihre Zusammenarbeit gelingt. Erfolg bedeutet deshalb nicht nur, Pilotprojekte anzustoßen. Mindestens genauso wichtig ist, dass Kommunen und Unternehmen die gewonnenen Erfahrungen nutzen können, um auch nach Projektende eigenständig neue Kooperationen aufzubauen.
Damit stellt sich auch eine größere Frage: Wer übernimmt diese Vermittler- und Übersetzerrolle langfristig? Können Wirtschaftsförderungen, Stadtwerke, Verbände, Energieagenturen oder andere regionale Institutionen diese Funktion übernehmen? Und wie lassen sich die Erfahrungen und Kontakte aus dem Projekt so weitergeben, dass andere darauf aufbauen können?
Genau darin liegt der Kern von Komm:Transform: Wir bringen Cleantech-Unternehmen und kommunale Akteure zusammen und erproben, auf welchen Wegen ihre Zusammenarbeit gelingt. Unsere Erfahrungen möchten wir an dauerhaft verankerte Akteure weitergeben, damit diese darauf aufbauen und erfolgreiche Ansätze weitertragen können.
Mit dem Komm:Transform-Lernforum Anfang 2027 in Berlin möchten wir diese Erkenntnisse teilen und gemeinsam mit unseren Partnern diskutieren, wie die Vermittlungs- und Begleitfunktion langfristig gestärkt werden kann.
Wo erlebst du selbst, dass innovative Lösungen und kommunale Bedarfe noch aneinander vorbeilaufen? Du entwickelst eine Cleantech-Lösung oder suchst als Kommune nach neuen Ansätzen für Energie, Gebäude oder Infrastruktur? Dann komm mit Komm:Transform ins Gespräch.
Gesprächspartner*innen:
Christina Tewes-Gradl
(Projekt Direktorin)
Nicolai Tewes
(Berater)
Nicole Hiltl
(Projektleitung)
Christian Pirzer
(Projektleitung)
Selma Konrad
(Community Management)
Interview: Carola Rörig
(Communications)